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Der umfassende Ratgeber
Alles, was Unternehmen über modernes BGM wissen müssen: Definition, das integrierte Managementsystem nach DIN SPEC 91020, die sechs Handlungsfelder nach Lange, Fördermöglichkeiten und der Weg zur erfolgreichen Einführung. Mit Praxiseinblicken aus unserer täglichen Beratungsarbeit.
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist die systematische Gestaltung, Steuerung und Entwicklung aller Strukturen, Prozesse und Maßnahmen in einem Unternehmen, die auf den Erhalt und die Förderung der Gesundheit der Mitarbeitenden abzielen.
Definition (BBGM): Betriebliches Gesundheitsmanagement ist die „systematische und zielorientierte Steuerung aller betrieblichen Prozesse, mit dem Ziel die Gesundheit und Leistung aller Mitarbeitenden zu erhalten und zu fördern, um langfristig im Unternehmen erfolgreich zu sein.“
Wichtig zu unterscheiden: BGM ist das übergeordnete Steuerungssystem. BGF (Betriebliche Gesundheitsförderung) bezeichnet die einzelnen Maßnahmen darin. BEM (Betriebliches Eingliederungsmanagement) ist die gesetzlich vorgeschriebene Wiedereingliederung nach längerer Erkrankung.
Unternehmen, die BGM systematisch einführen, profitieren auf mehreren Ebenen:
Krankheitsbedingte Fehlzeiten lassen sich durch gezielte Prävention um 15–25% reduzieren.
BGM ist ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte – besonders im Mittelstand.
Gesunde, motivierte Teams sind nachweislich leistungsfähiger und kreativer.
Studien zeigen: Jeder in BGM investierte Euro erzielt einen Return zwischen 2,50 und 5,80€.
Lange Jahre wurde Betriebliches Gesundheitsmanagement über drei Handlungsfelder beschrieben: Arbeitsschutz, Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM). Dieses Drei-Säulen-Modell hatte seinen Wert – vor allem als didaktische Vereinfachung. In der Praxis ist es jedoch längst unzureichend.
Es beschreibt BGM als additives Nebeneinander von Programmbereichen, nicht als das, was es sein muss: ein integriertes Managementsystem, das tief in die Unternehmensorganisation eingebettet ist.
Wendepunkt DIN SPEC 91020 (2012): Erstmals wurde BGM offiziell als Managementsystem definiert – mit klaren Steuerungsschleifen, Verantwortlichkeiten und Erfolgskennzahlen. Die DIN ISO 45001, die internationale Norm für betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz, gibt diesem Ansatz seither einen verbindlichen Rahmen. Gesundheit ist demnach kein Programm, das neben dem Tagesgeschäft läuft. Sie ist eine Führungsaufgabe.
Modernes ganzheitliches BGM denkt in integrierten Handlungsfeldern, die konsequent auf zwei Ebenen wirken:
Beide Ebenen müssen gleichzeitig adressiert werden – sonst greift das Konzept nicht. Wer nur die Mitarbeitenden trainiert, ohne Strukturen anzupassen, wird scheitern. Wer nur Strukturen baut, ohne Menschen zu befähigen, ebenso.
Modernes BGM ist kein Drei-Säulen-Modell mehr – es ist ein multiperspektivisches Rahmenkonzept, das verschiedene Handlungsfelder auf Verhaltens- und Verhältnisebene mit konkreten Qualitätsdimensionen verbindet und BGM damit zu einem echten Steuerungssystem macht.
VERHALTENSEBENE
Individuelle Kompetenzen, Ressourcen und Handlungsweisen der Mitarbeitenden – das, was jeder Einzelne tun, lernen und beeinflussen kann.
Schulung, Kompetenzaufbau, Coaching, Gesundheitsbildung, individuelle Weiterentwicklung
VERHÄLTNISEBENE
Strukturelle und organisationale Bedingungen, die Gesundheit ermöglichen oder behindern – das, was über den Einzelnen hinausgeht.
Strukturen, Prozesse, Führungs- und Unternehmenskultur, gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung
Kontinuierliche Qualität durch alle Handlungsfelder im PDCA-Zyklus
Planungs- und Konzeptqualität
Strukturqualität
Prozessqualität
Ergebnisqualität
Im kostenfreien Erstgespräch erhalten Sie eine erste Einschätzung und erfahren, welche Maßnahmen für Ihr Unternehmen den größten Mehrwert schaffen können.
Erfolgreiche BGM-Einführung folgt dem PDCA-Zyklus aus DIN SPEC 91020: Plan – Do – Check – Act. Vier Phasen, die kontinuierlich durchlaufen werden:
Wir analysieren die aktuelle Situation in Ihrem Unternehmen und identifizieren die wichtigsten Handlungsfelder. Auf dieser Grundlage entwickeln wir eine individuelle Gesundheitsstrategie mit klaren Zielen und Maßnahmen.
Die geplanten Maßnahmen werden im Unternehmen eingeführt und umgesetzt. Dabei begleiten wir den Prozess und sorgen dafür, dass die Angebote zu den Bedürfnissen Ihrer Mitarbeitenden passen.
Wir messen regelmäßig die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen. Durch Feedback, Kennzahlen und Analysen erkennen wir, was funktioniert und wo Optimierungsbedarf besteht.
Auf Basis der Ergebnisse passen wir Maßnahmen an und entwickeln das Gesundheitsmanagement kontinuierlich weiter. So entsteht ein nachhaltiger Verbesserungsprozess statt einzelner kurzfristiger Aktionen.
Praxis-Hinweis: Eine externe BGM-Beratung verkürzt diesen Prozess erheblich – und vermeidet typische Fehler wie isolierte Einzelmaßnahmen ohne strategischen Rahmen oder die Vernachlässigung einer der zwei Ebenen.
Die Frage „Was kostet BGM?“ lässt sich seriös nicht pauschal beantworten – die tatsächlichen Kosten hängen von fünf Hauptfaktoren ab. Hier ist der ehrliche Überblick:
Anzahl Mitarbeitende, Standorte und organisatorische Komplexität. Kleinere Unternehmen brauchen schlankere Strukturen.
Bürobetrieb, Produktion, Handwerk oder Pflege – die Belastungen unterscheiden sich grundlegend.
Nur Konzeptentwicklung oder volle laufende Steuerung mit Reporting, Gesundheitszirkeln und Jahresreport?
Greenfield (von null) oder Aufbau auf bestehenden BGM-Elementen? Vorhandene Strukturen sparen Zeit und Geld.
Welche der 6 Handlungsfelder sollen bedient werden? Ein voller Querschnitt mit Personal- und Organisationsentwicklung ist umfangreicher als reine BGF-Maßnahmen.
Wichtig zu wissen: Ein Teil der BGF-Investition lässt sich refinanzieren – durch Krankenkassenförderung nach §20b SGB V und steuerliche Begünstigung nach §3 Nr. 34 EStG.
Ein weit verbreiteter Irrtum: Betriebliches Gesundheitsmanagement wird über §20b SGB V gefördert und nach §3 Nr. 34 EStG steuerlich begünstigt. Tatsächlich stimmt das nicht – denn gemeint ist damit nur ein Teilbereich des BGM.
Direkt bezuschusst werden ausschließlich Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) – also verhaltenspräventive Einzelmaßnahmen wie Kurse, Ernährungsthemen oder Gesundheitstage. Das ist nur ein Teilgebiet des BGM. Maßnahmen wie Organisationsentwicklung oder Personalentwicklung fallen nicht darunter – sind aber über andere Wege förderbar.
§20b SGB V – Krankenkassenförderung
Gesetzliche Krankenkassen sind verpflichtet, BGF-Maßnahmen in Unternehmen zu bezuschussen – jedoch ausschließlich im Bereich der Verhaltensprävention: Bewegung, Ernährung, Stressmanagement, Suchtprävention. Voraussetzung ist, dass die Krankenkasse von Beginn an in die Planung eingebunden wird – eine nachträgliche Förderung ist nicht möglich. Die Maßnahmen müssen den Qualitätskriterien des GKV-Leitfadens Prävention entsprechen.
§3 Nr. 34 EStG – Steuerliche Begünstigung
Arbeitgeberleistungen für Gesundheitsmaßnahmen können bis zu 600 € pro Mitarbeiter und Jahr lohnsteuerfrei gestellt werden – allerdings nur, wenn die Maßnahmen den Anforderungen der §§20 und 20b SGB V entsprechen. Das betrifft ausschließlich BGF-Maßnahmen auf Verhaltensebene.
BAFA – Förderung von Unternehmensberatung
Hier liegt eine echte, weitgehend unbekannte Möglichkeit: BGM-Beratung – also Ist-Analyse, Konzeptentwicklung, strategische Begleitung – kann über das BAFA-Programm „Förderung von Unternehmensberatungen für KMU“ bezuschusst werden. Die Förderquote beträgt 50 % in den alten Bundesländern und Berlin, bis zu 80 % in den neuen Bundesländern – also auch in Leipzig und Dresden. Die förderfähigen Beratungskosten sind auf 3.500 € pro Beratung begrenzt, zwei Beratungen pro Jahr sind möglich. Voraussetzung: Der Berater muss beim BAFA registriert sein.
INQA-Coaching – Geförderte Organisationsentwicklung
Das INQA-Coaching-Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales fördert KMU dabei, ihre Personalarbeit und Arbeitsorganisation zukunftsfähig aufzustellen – ein Rahmen, in den BGM-Beratung mit Strukturfokus sehr gut passt. Gefördert werden bis zu 12 Beratungstage innerhalb von 7 Monaten mit 80 % Zuschuss. Der anrechenbare Tagessatz liegt bei maximal 1.200 € netto. Auch hier ist eine Zertifizierung als INQA-Coach Voraussetzung für den Berater.
Ja. Auch kleine und mittlere Unternehmen ab etwa 20 Mitarbeitenden profitieren von strukturiertem BGM – und haben dabei oft einen Vorteil gegenüber Großunternehmen: kürzere Entscheidungswege, direkterer Mitarbeiterkontakt und schnellere Umsetzung.
Was bei KMU besonders gut funktioniert:
BGF (Betriebliche Gesundheitsförderung) ist eines der Handlungsfelder innerhalb des Gesamtsystems BGM. BGM ist das übergeordnete Steuerungssystem, BGF beschreibt die konkreten Gesundheitsförderungs-Maßnahmen darin (verankert in SGB V).
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