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Hamburger Modell Wiedereingliederung: konkreter Ablauf, Stufenplan-Muster, Formvarianten, Kostenträger und die wichtigsten Fristen – praxisnah für Arbeitgeber erklärt.
Stand: 07.08.2026
Das Hamburger Modell Wiedereingliederung ist das bekannteste Verfahren, um langzeiterkrankte Beschäftigte schrittweise an ihre volle Arbeitszeit heranzuführen. Für Arbeitgeber stellt sich dabei weniger die Frage nach dem großen Rechtsrahmen als nach dem konkreten Vorgehen: Wie sieht ein Stufenplan aus, welche Formvarianten gibt es, welche Fristen sind heikel und wer koordiniert eigentlich was? Dieser Beitrag beantwortet genau diese praktischen Fragen und ergänzt damit unseren Überblick zur Wiedereingliederung nach Krankheit, der den breiteren rechtlichen und organisatorischen Rahmen einordnet.
Das Hamburger Modell Wiedereingliederung bezeichnet die stufenweise Wiederaufnahme der Arbeit nach längerer Krankheit, bei der die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit über mehrere Wochen ärztlich begleitet ansteigt. Der Begriff stammt aus einer Praxis der Krankenkassen aus den 1970er-Jahren und hat sich als umgangssprachliche Bezeichnung gehalten.
Kern des Verfahrens ist ein ärztlicher Stufenplan, der festlegt, mit wie vielen Stunden die Rückkehr beginnt und in welchen Schritten sich die Belastung steigert. Während der gesamten Maßnahme bleibt die betroffene Person arbeitsunfähig geschrieben – sie erbringt also keine vertraglich geschuldete Arbeitsleistung, sondern erprobt schrittweise ihre Belastbarkeit.
Damit unterscheidet sich das Hamburger Modell klar von einer Teilzeitrückkehr. Es ist ein befristetes, medizinisch gesteuertes Übergangsverhältnis mit dem festen Ziel, am Ende die volle Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen.

Damit das Hamburger Modell Wiedereingliederung überhaupt starten kann, müssen mehrere Bedingungen zusammenkommen. Die wichtigste ist medizinischer Natur: Die betroffene Person muss ihre bisherige Tätigkeit zumindest teilweise wieder verrichten können und voraussichtlich vollständig genesen.
Fehlt eine dieser Voraussetzungen, kommt die Maßnahme nicht zustande. Für Arbeitgeber ist besonders relevant, dass eine allgemeine Zustimmungspflicht nicht besteht – die Details dazu ordnet der übergeordnete Beitrag zur Wiedereingliederung nach Krankheit ein.
In der Praxis folgt das Hamburger Modell einem wiederkehrenden Muster. Die einzelnen Schritte greifen ineinander, auch wenn ihre Reihenfolge je nach Ausgangslage leicht variieren kann.
Wichtig für den Betrieb: Die Initiative geht formal vom medizinischen Bereich aus, nicht vom Arbeitgeber. Dennoch entscheidet die betriebliche Vorbereitung maßgeblich darüber, ob der Plan im Alltag trägt.
Der Stufenplan ist das Herzstück des Hamburger Modells. Er ist mehr als eine grobe Absichtserklärung und sollte mehrere Angaben verbindlich enthalten, damit er sowohl vom Kostenträger bewilligt als auch im Betrieb umgesetzt werden kann.
Entscheidend ist der Arbeitsplatzbezug. Ein Plan, der nur allgemein von einer Steigerung spricht, führt regelmäßig zu Rückfragen. Je konkreter die vorgesehenen Tätigkeiten benannt sind, desto reibungsloser verläuft die Bewilligung – und desto leichter lässt sich der Plan im Team umsetzen.
Wie ein Stufenplan konkret aussieht, hängt vom Krankheitsbild und der Belastbarkeit ab. Die folgenden drei Muster zeigen typische Verläufe – sie sind zur Orientierung gedacht und ersetzen keine ärztliche Planung.
Variante A – kurzer Verlauf (rund 6 Wochen): Woche 1–2 mit vier Stunden täglich, Woche 3–4 mit sechs Stunden, ab Woche 5 volle Arbeitszeit. Geeignet für eine gute Prognose nach überschaubarer Ausfallzeit.
Variante B – mittlerer Verlauf (rund 3 Monate): Start mit drei Stunden, alle zwei Wochen Erhöhung um eine Stunde, bis nach etwa zwölf Wochen der volle Umfang erreicht ist. Ein häufiger Standardverlauf bei orthopädischen Erkrankungen.
Variante C – langer Verlauf (bis 6 Monate): Sehr niedriger Einstieg mit zwei Stunden, längere Verweildauer je Stufe und eine behutsame Steigerung. Typisch nach psychischen Erkrankungen, bei denen die Wiedergewöhnung an das Arbeitsumfeld Zeit braucht.
Allen Varianten gemeinsam ist, dass die letzte Stufe die volle vertragliche Arbeitszeit erreichen sollte. Eine Wiedereingliederung, die auf einer reduzierten Stufe endet, verfehlt ihr Ziel und wirft arbeitsrechtliche Folgefragen auf.
Auch wenn das Verfahren im Kern gleich bleibt, unterscheiden sich Formular und Zuständigkeit je nach Kostenträger. Diese Unterscheidung bestimmt, welches Übergangsformular verwendet wird und an wen der Betrieb die Rückmeldung sendet.
Für Arbeitgeber heißt das praktisch: Vor dem Start sollte geklärt sein, welcher Träger zuständig ist, weil davon die Formulare und Ansprechpartner abhängen. Die genaue Trägerlogik und die dahinterstehenden Rechtsgrundlagen erläutert der Grundlagenbeitrag zur Wiedereingliederung. Der amtliche Gesetzestext findet sich zudem direkt in § 74 SGB V.
Ein Punkt wird im Alltag oft übersehen: die Unterbrechungsregel. Wird die Wiedereingliederung länger als sieben Kalendertage unterbrochen – etwa durch einen Rückfall oder eine erneute Erkrankung –, gilt sie in der Regel als abgebrochen und muss neu beantragt werden.
Das hat handfeste Folgen. Ein unbedacht genommener Kurzurlaub oder eine nicht abgestimmte Pause kann den gesamten Plan zunichtemachen. Deshalb sollten Betrieb und Beschäftigte Unterbrechungen immer vorab mit dem behandelnden Arzt und dem Kostenträger klären.
Ebenso gilt: Die Maßnahme kann jederzeit abgebrochen werden, wenn die Belastung zu hoch wird. Weder für die Beschäftigten noch für den Betrieb entstehen daraus unmittelbare arbeitsrechtliche Nachteile, da während der gesamten Zeit weiterhin Arbeitsunfähigkeit besteht. Ein Abbruch ist kein Scheitern, sondern ein ärztlich vorgesehenes Sicherheitsventil.
Der Kostenträger bewilligt, der Arzt plant – doch ob die Rückkehr gelingt, entscheidet sich im Betrieb. Arbeitgeber haben dabei mehr Gestaltungsspielraum, als der medizinisch geprägte Rahmen zunächst vermuten lässt.
Zunächst geht es um die Prüfung des Stufenplans: Lassen sich die vorgesehenen Tätigkeiten am konkreten Arbeitsplatz überhaupt abbilden? Wo das nicht der Fall ist, sollte der Betrieb frühzeitig Rückmeldung geben, statt den Plan stillschweigend zu unterlaufen.
Ebenso wichtig ist die Vorbereitung des Teams. Kolleginnen und Kollegen sollten wissen, dass die zurückkehrende Person zunächst reduziert arbeitet und keine vollen Aufgabenpakete übernehmen kann. Aufgestaute Arbeit, die sofort auf den Schreibtisch wandert, ist einer der häufigsten Gründe für einen erneuten Ausfall.
Schließlich lohnt der Blick auf die Verhältnisebene. Ein angepasster Arbeitsplatz, eine veränderte Schichtzuordnung oder ein technisches Hilfsmittel entscheiden oft mehr über den Erfolg als jede Gesprächsrunde. Wer solche Anpassungen mit einer strukturierten Gesundheitsstrategie verzahnen möchte, findet in einer unverbindlichen BGM-Beratung einen sinnvollen Ausgangspunkt.
Wie lange dauert das Hamburger Modell?
In der Regel zwischen sechs Wochen und sechs Monaten. Maßgeblich ist der ärztliche Stufenplan, nicht eine feste gesetzliche Obergrenze.
Bekommt man während des Hamburger Modells Gehalt?
In der Regel nicht. Da weiterhin Arbeitsunfähigkeit besteht, zahlt der Kostenträger Krankengeld oder Übergangsgeld. Der Arbeitgeber schuldet grundsätzlich kein Arbeitsentgelt.
Was passiert bei einer Unterbrechung?
Wird die Maßnahme länger als sieben Kalendertage unterbrochen, gilt sie meist als abgebrochen und muss neu beantragt werden. Unterbrechungen sollten deshalb vorab abgestimmt werden.
Muss der Arbeitgeber beim Hamburger Modell mitmachen?
Grundsätzlich ist die Teilnahme für den Arbeitgeber freiwillig. Bei schwerbehinderten Beschäftigten kann sich jedoch aus dem Sozialrecht eine Mitwirkungspflicht ergeben.
Wer erstellt den Stufenplan?
Der behandelnde Arzt oder die Rehaeinrichtung erstellt den Plan gemeinsam mit der betroffenen Person. Der Betrieb stimmt ihm zu oder meldet begründete Einwände zurück.
Das Hamburger Modell Wiedereingliederung ist ein bewährtes Instrument, um nach langer Krankheit behutsam zur vollen Arbeitsfähigkeit zurückzufinden. Sein Erfolg hängt weniger vom Formular ab als von einem realistischen Stufenplan und einer sauberen Umsetzung im Betrieb.
Wer den Plan arbeitsplatzbezogen prüft, das Team vorbereitet und die Sieben-Tage-Regel im Blick behält, schafft die Grundlage für eine tragfähige Rückkehr. Eine unverbindliche BGM-Beratung hilft dabei, Wiedereingliederung und Prävention sinnvoll miteinander zu verbinden.